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Seeing Her Ghosts – Kreativer Umgang mit Psychose

Kunst war immer schon Katalysator.
Kirsten Becken, Fotografin, zum Kunstbuch Seeing Her Ghosts

Kirsten Becken kenne ich noch von früher. Sie hat mit ihren Eltern ein Buchprojekt als künstlerischen Umgang mit der Krankheit ihrer Mutter gestartet. Ihre Mutter leidet an Schizophrenie und zusammen wollen sie mit Hilfe der Kunst auf diese Krankheit aufmerksam machen. Wer mehr zur Entstehungsgeschichte des Buches lesen will, es gibt ein sehr schönes Interview bei M i MA über die Anfänge des Projektes und ganz aktuell ein Interview bei ze.tt. Mehr Informationen zum Buch gibt es auf der Webseite von Seeing Her Ghosts oder auf der Facebook Seite.Auf Instagram bekommt ihr schon mal einen Eindruck von den Inhalten des Buches und auf Twitter gibt es regelmässige Updates zum Projekt. Das Buch wird über eine Kampagne bei Startnext finanziert, das Funding läuft noch bis zum 03.01.2017.

Die Kernidee ist es, ein Buch zu schaffen, dass durch Kunst Zugang zu unbequemen, verdrängten und traurigen Themen wie Schizophrenie und Psychose verschafft.

Update 6.1.2017: Die Kampagne bei Startnext war erfolgreich!

‚her rage‘ is wrapped up nicely as well ❣️got to love #hahnemuehle paper 💌 #crowdfunding #rewards #artprint

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Wie kamt ihr auf die Idee, dass andere Künstler sich mit den Aquarellen und Geschichten befassen und diese kreativ verarbeiten/interpretieren sollen? Ist das überhaupt die Kernidee?

Es begann mit der Idee, sich unvoreingenommen und künstlerisch, so frei wie möglich und so offen wie möglich mit dem überaus komplexen Feld auseinander zu setzen. Ich bin keine Spezialistin, sondern berichte über meine Erfahrung und Recherche als Angehörige. Das ist ein Unterschied, der alles so nahbar und spannend macht. Die Kernidee ist es, ein Buch zu schaffen, dass durch Kunst Zugang zu unbequemen, verdrängten und traurigen Themen wie Schizophrenie und Psychose verschafft.

Warum wird Seeing Her Ghosts ein Kunstbuch und warum nutzt ihr keine andere (audio)visuelle Gestaltungsform?

Kunst war immer schon Katalysator in der Menschheitsgeschichte. Es bietet sich an, sich auf diese Weise zu nähern, weil es ansatzweise nachfühlen lässt.

Es wird einfacher einen Bezug herzustellen, wenn man keine Berührungspunkte hat tiefer in die Thematik einzutauchen. Filme gibt es ja bereits – „I never promised you a rose garden“,  „Donnie Darko“, „A beautiful mind“, „Das weiße Rauschen“ oder „Einer flog übers Kuckucksnest“.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Angela Deane, Sophia Weisstub und Ricardo Cavolo?

Durch Zufall oder durch konkrete Vorlieben haben wir Künstler entdeckt und bewusst kontaktiert. Es ging sehr schnell und wir hatten ziemlich bald einen spannenden Pool an teilnehmenden Künstlern. Einige Künstler sind auch direkt mit uns in Verbindung getreten, weil sie von dem Buchprojekt erfahren haben.

Wer koordiniert die Kreativen? Wer begleitet den kreativen Entstehungsprozess? Wer wählt die Inhalte aus? Nach welchen Kriterien?

Ich koordiniere, plane, layoute das Buch. Die Gliederung und Erzählstruktur haben wir gemeinsam festgelegt. Ziel ist ein „leichtes“ Buch ohne Fingerzeig und Schuldzuweisungen anzulegen. Es geht eher darum ein Bewusstsein für die Sensibilität dieser Thematik zu schaffen – weniger um Patentrezepte oder Lösungsansätze.

Die Kriterien sind nicht klar zu nennen, da geht es viel um Bauchgefühl und Spontanität.

Gibt es innerhalb des Familienprojekts einen laufenden kreativen Prozess? Arbeitet ihr selbst noch kreativ an dem Buch?

Wir sind jetzt schon fast fertig mit dem Buch und freuen uns, wenn unser Funding bei Startnext erfolgreich abgeschlossen werden kann. Also gerne noch fleißig pushen! (Anmerkung: Wie schon oben erwähnt, die Kampagne läuft noch bis 3.01.2017 bei Startnext https://www.startnext.com/seeing-her-ghosts )

Der kreative Prozess ist ein Ping Pong zwischen meiner Mutter und mir. Die Hauptarbeit habe aber ich, weil ich mich auch um das Layout und die Umsetzung kümmere, Verträge schreibe und die Künstler koordiniere.

Du hast in einem anderen Interview bei M i MA gesagt: „Für dieses Buchprojekt ist es wichtig, dass keine Kompromisse gemacht werden. Es soll großzügig und stark sein“. Wie ist das im Hinblick auf den kreativen Prozess gemeint?

Keine Kompromisse bedeutet, dass es 1:1 ist. Keine geschmäcklerische Richtung, keine gefällige Ausarbeitung. Etwas Authentisches eben, denn es erzählt eine persönliche Geschichte, die helfen soll das Schweigen zu brechen. Denn das ist mit „stark sein“ gemeint.

Sucht ihr nach einem Verlag oder habt ihr euch bewusst für Crowdfunding entschieden?

Wir haben zuerst bei Verlagen angeklopft, aber viele haben sich nicht konkret geäußert oder abgesagt. Das Thema scheint nicht gut verkäuflich zu sein. Weil es aber im Gegensatz dazu sehr, sehr wichtig ist – und das nicht nur für mich – und viele Menschen betrifft, haben wir uns bewusst für den Selbstverlag der ersten Auflage und eine Finanzierung über Crowdfunding entschieden.

Photo Credits: Kirsten Becken (http://kirstenbecken.de

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