Hör mal

52 weeks of music – All summer long von Kid Rock

Jede Woche gibt es hier ein neues Lied, von mir ausgesucht und von meinem Schatz in einem Gastbeitrag beschrieben/besprochen. Daraus entstehen dann 52 Weeks of Music. Die gesamte Playlist gibt es schon auf Spotify (52 weeks of music). Alle Beiträge hier im Blog findet ihr unter 52weeksofmusic.

Woche 30: Kid Rock, All summer long

All summer long bei Spotify

It was summertime in Northern Michigan

Lieber Herr Rock,

Sie erwägen, bei den Wahlen 2018 für den Senat der Vereinigten Staaten von Amerika als Kandidat anzutreten. Echt jetzt?

Eins vorweg: Deutschland wählt am 24.9. einen neuen Bundestag. Geht wählen! Jede Stimme hat doppeltes und dreifaches Gewicht, nicht wählen ist da keine Alternative. Auch wenn kein Kandidat wie Kid Rock antritt, nirgendwo in Stadt und Land.

Das rockt: Kid Rock überlegt, ob er – in Michigan – zu den Senatswahlen 2018 antritt und hat schon mal die Website kidrockforsenate.com angelegt. Für den Rock-Aficionado ist das selbstverständlich keine Überraschung, sondern vielmehr die konsequente Fortführung eines schon immer politischen Selbstverständnisses, das sich bereits im Frühwerk (Early Mornin‘ Stoned Pimp, American Bad Ass) manifestierte. Der reife K. R. mischt sich seit der zweiten Dekade des neuen Jahrtausends unmittelbar in das politische Geschehen ein: Erst spielte er bei der Amtseinführung von Präsident Obama 2009, dann unterstützte Rock die Präsidentschaftskampagnen der republikanischen Kandidaten Mitt Romney (2011/2012), Ben Carson (2015) und Donald Trump (2016). In der Bevölkerung Michigans (die Einwohner Michigan heißen übrigens „Michiganders“) wächst die Zustimmung zu einer Kandidatur, insbesondere unter den Anhängern der Republikaner, während die demokratisch geprägten Medien dem Vorhaben eher skeptisch gegenüberstehen bzw. sich – wie Stephen Colbert – darüber mokieren.

It was 1989, my thoughts were short, my hair was long

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis, zu deutsch: Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen. Ovids Lyrics sind immer noch fresh. Wir sehen es doch an Kid Rock: Früher hing er langhaarig in Nord-Michigan am See rum und dachte an nichts außer Mädchen, Whisky und Lynyrd Skynyrd und konnte das auch noch freimütig bekennen, heute, so knappe 30 Jahre später, hält er politische Vorträge bei seinen Konzerten. Was ist noch Show, was ist schon Politik und kann man das überhaupt noch auseinanderhalten? Wenn ein Künstler, der sich für die längste Phase seines Schaffens über „Explicit Lyrics“ und die Kurzehe mit Pamela Anderson definieren ließ, jetzt Senator werden will, dann muss man das zunächst mal so stehenlassen und sich vielleicht später Gedanken dazu machen. Möchte man sich diese Gedanken machen, dann muss man allerdings tiefer einsteigen als es in diesem kurzen Beitrag möglich ist – lest mal in Naomi Kleins sehr kluges Buch „Gegen Trump: Der Aufstieg der neuen Schock-Politik und was wir dagegen tun können“ rein, da wird einem vieles klarer.

While we were trying different things
And we were smoking funny things

Hui, da bin ich mal gespannt, wie er das als republikanischer Kandidat politisch verwurstet. Für die gleichgeschlechtliche Ehe hat er sich schon deutlich ausgesprochen, im gleichen Atemzug aber die Frage nach dem Besuch der genderdeterminierten Toiletten eher konservativ mit dem Hinweis auf „das, was zwischen Deinen Beinen ist“, beantwortet (siehe Videolink oben). So ganz greifbar ist The Kid noch nicht, aber er kandidiert ja auch noch nicht offiziell. Aus seinen Songs kann er jedenfalls so manchen politischen Inhalt schöpfen.

Singing Sweet Home Alabama

All summer long

Klimawandel zum Beispiel. „All summer long“ waren 1989 in Romeo, Michigan, wo der Herr Rock herkommt, zwei komplette Monate, ein sehr angenehmer Juni und ein überaus sonniger Juli mit Temperaturen zwischen 69 und 82° Fahrenheit, so weiß es der Farmer’s Almanach. Im Jahre des Herrn 2017 hatten wir hier bei uns Sommer für drei Tage im Juni und dann noch die zweieinhalb Stunden an einem Donnerstagvormittag im Juli, als alle im Büro saßen. Das ist climate change, zumal Michigan jetzt auch nicht gerade Kalifornien und ansonsten eher als kühl verschrien ist. Also, Herr Senator Rock, wenn’s klappt mit der Wahl, dann mal richtig einen auf American Bad Ass machen und gegen den politischen Mainstream in God’s Own Country schwimmen und was für’s Klima tun. Ganz im Sinne Deines Songs: Amen.

Die unbedingte Hörempfehlung von heute ergibt sich ganz von allein: „All summer long“ sampelt zwei Songs, das schon erwähnte „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd und das deutlich weniger bekannte „Werwolves of London“ von Warren Zevon. Von letzterem ist auch der Song „Don’t let us get sick„, das ist textlich und musikalisch ein schillernder Edelstein. Und in der Fassung von Pat Guadagno ein echtes Juwel.

Text von All summer long zum Nachlesen

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